„Tollwutimpfung? In Deutschland doch völlig unnötig.“ So denken vermutlich viele Hundehalter. Schließlich gilt Deutschland seit 2008 als frei von klassischer terrestrischer Tollwut.
2026: Tollwütiger Hund in Deutschland
Ein aktueller Fall zeigt jedoch, warum das Thema nicht völlig erledigt ist: Anfang 2026 wurde bei einem aus Russland importierten Hund Tollwut nachgewiesen. Zuvor war der Junghund wegen des Verdachts, einen Fremdkörper aufgenommen zu haben, in eine Tierklinik eingeliefert worden. Acht Personen (Familie und Klinikmitarbeiter), hatten Kontakt zu dem Hund. Sie galten damit als potenziell gefährdet und haben eine Not-Impfung erhalten. Im August stellte sich nach einer forensischen Untersuchung heraus: Die Impfstoffaufkleber im Impfpass waren gefälscht.
Für uns ist dieser Fall ein wichtiger Hinweis darauf, besonders bei importierten Hunden genau hinzusehen. „Ein relevantes Risiko besteht vor allem bei Hunden, die aus Regionen zu uns kommen, in denen Tollwut bei Haus- und Wildtieren weiterhin vorkommt“, erklärt unsere Oberärztin für Innere Medizin, Lara Ißl. Dazu gehören beispielsweise Russland, die Ukraine, Georgien, Rumänien und Polen.

Bei importierten Hunden auf Herkunft und Impfstatus achten
Problematisch wird es, wenn Herkunft und Impfstatus eines Tieres nicht zuverlässig nachvollziehbar sind oder Zweifel an der Richtigkeit der Impfdokumente bestehen. Bei einem unklaren Impfstatus oder dem Verdacht, dass mit den Papieren etwas nicht stimmt, empfiehlt Ißl, mit dem Tierarzt oder der Tierärztin seines Vertrauens zu besprechen, ob die Tollwutimpfung aufgefrischt werden sollte.
Dabei geht es nicht nur um den Schutz des Hundes. Tollwut ist eine Zoonose und kann vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Sobald beim Menschen klinische Symptome auftreten, verläuft die Erkrankung tödlich. Nach einem möglichen Kontakt mit einem infizierten Tier muss deshalb unverzüglich medizinisch gehandelt werden.
Ein verlässlicher Impfschutz schützt damit auch die Menschen, die mit dem Tier zusammenleben – insbesondere Kinder.
Sehr geringes Restrisiko durch Fledermäuse
Übrigens werden auch bei Fledermäusen in Deutschland weiterhin Tollwutviren nachgewiesen. Zuletzt im August bei einer toten Breitflügelfledermaus. Für Menschen sowie Hunde und Katzen ist das Risiko, sich an einer infizierten Fledermaus anzustecken, zwar eher gering, aber bei direktem Kontakt grundsätzlich möglich. Verletzte, auffällige oder tot aufgefundene Fledermäuse sollten deshalb nicht angefasst werden; auch Haustiere sollten keinen direkten Kontakt zu ihnen haben.
Dass Tollwut bei Hunden in Deutschland heute eine absolute Ausnahme ist, ist das Ergebnis konsequenter Bekämpfung und Impfprogramme.
INFO:
Der Welt-Tollwut-Tag am 28. September erinnert daran, dass die Viruserkrankung weltweit noch immer eine große Rolle spielt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich rund 59.000 Menschen an Tollwut, vor allem in Afrika und Asien. In bis zu 99 Prozent der menschlichen Fälle erfolgt die Übertragung durch Hunde.