Fortuna lebte 2 Jahre mit einer eingeschnürten Speiseröhre
Tierschutzkatze Fortuna Flöhchen war von Anfang an anders: Ihre Retterin Wally Popp zog sie mit der Hand auf und musste sie mit der Spritze füttern, weil sie schon als Kitten kaum Nahrung bei sich behalten konnte.
Katzenmilch und Futterbrei schwappten nach der Futteraufnahme direkt wieder aus dem Maul (Regurgitieren).
Um Fortuna zu unterstützen, erhielt sie kleine Portionen flüssiger oder breiiger Nahrung in aufrechter Position.
Mit knapp zwei Jahren wog Fortuna dennoch nur rund 2,5 Kilo – deutlich zu wenig.

Megaösophagus: große Aussackung der Speiseröhre
Das Futterproblem wurde mit der Zeit immer schlimmer. Schließlich stellte die Haustierärztin durch ein Röntgenbild die seltene Ursache fest: ein massiver Futterstau in der Speiseröhre vor dem Herzen. Fortuna hat einen Megaösophagus, eine krankhaft aufgeweitete Speiseröhre. Zur Zweitmeinung wurde Fortuna deshalb an die Tierklinik Ismaning überwiesen. Die Befürchtung: eine angeborene Gefäßanomalie, eine sogenannte Rechtsaorta, die diese Aussackung verursacht.
Fehlentwicklung im Embryonalstadium mit weitreichenden Folgen
Dr. Vera Morbach, Oberärztin für Chirurgie, erklärt den seltenen Befund, der im CT und bei einer Endoskopie bestätigt wurde: „Normalerweise verläuft die Aorta (Hauptschlagader) auf der linken Körperseite. Bei einer Fehlentwicklung im Embryonalstadium kann es dazu kommen, dass der ursprünglich paarig ausgebildete Aortenbogen stattdessen rechtsseitig bestehen bleibt. Auf dem Weg zur rechten Aorta schnürt dann ein straffes bindegewebiges Bändchen die Speiseröhre von oben ein, das persistierenden Ligamentum arteriosum. Futter kann die eingeengte Speiseröhre nicht wie üblich passieren, es entsteht eine sackartige Ausstülpung vor dem Herzen, ein sogenanntes Divertikel.“

Operation
Einzige Lösung ist eine Operation, die idealerweise schon im Welpenalter vorgenommen wird, um Spätfolgen an der Speiseröhre (Überdehnen) so gut wie möglich vorzubeugen.
Um ihrem Schützling zu helfen, willigte Wally Popp in die Operation ein. Trotz des erhöhten Narkoserisikos wegen des offenen Brustkorbs und Fortunas geringem Gewicht verlief der Eingriff durch Dr. Vera Morbach gut. Sie öffnete den Brustkorb chirurgisch (Thorakotomie), um das einschnürende Bändchen oberhalb der Speiseröhre zu durchtrennen.
Fortuna wurde nach zwei Tagen stationärer Unterbringung entlassen. Sie konnte zu Hause endlich ohne die üblichen unterstützenden Maßnahmen fressen. Ohne die Einschnürung findet der Futterbrei nun beschwerdefrei seinen Weg in den Magen. Ein erfreuliches Ergebnis, mit dem man aufgrund des Alters der Katze nicht sicher rechnen konnte.


Wildfang Fortuna geht’s bestens
Heute macht Fortuna ihrem Namen alle Ehre: „Sie ist viel draußen unterwegs, hat zugenommen und fängt fleißig Mäuse, die sie jetzt auch bei sich behalten kann“, freut sich Tierschützerin Wally Popp über die geglückte Behandlung.