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Bevor ein Chirurg der Tierklinik Ismaning den ersten Schnitt setzen kann, hat das OP-Besteck schon einen langen Weg hinter sich: Es wurde in der Sterilgutaufbereitung gereinigt, geprüft, sortiert, verpackt und sterilisiert.

Die Sterilgutassistenz übernimmt dabei eine Schlüsselfunktion im Klinikalltag, ohne die es keine Operation gäbe: „Es ist eine Arbeit im Hintergrund, aber eine mit sehr viel Verantwortung“, sagt die Tiermedizinische Fachangestellte und Fachbereichsleiterin Maja Schätzler.

Die Arbeit beginnt meist am frühen Nachmittag, wenn die ersten benutzten Instrumente aus den Operationssälen zurück in die Aufbereitung kommen.

Dort durchlaufen sie mehrere Stationen: Vorsortieren, Reinigen, manuelle oder maschinelle Aufbereitung oder Ultraschallbad, Trocknen, Zusammensetzen, Ölen, Funktionskontrolle, Verpacken und schließlich die Sterilisation in den Autoklaven.

Sterilgutassistenz der Tierklinik Ismaning belädt den Autoklaven.

Manche Instrumente dürfen nicht in die Reinigungsmaschine, weil sie besonders empfindlich sind. Andere müssen per Hand gesäubert werden. Alles verlangt Sorgfalt und ein geschultes Auge.

Gerade das macht den Beruf anspruchsvoll: Die Mitarbeitenden müssen erkennen, ob ein Instrument noch verschmutzt ist, ob Spuren auf dem Material nur oberflächlich sind oder ob ein Teil ausgetauscht werden sollte. Hinzu kommt die genaue Kontrolle der OP-Sets.

Liebe zum Detail

Für jede sterile OP-Box gibt es feste Ausstattungslisten: „Man braucht schon ein bisschen Liebe zum Detail“, führt Maja Schätzler weiter aus. „Wenn im Besteck etwas fehlt und das erst im OP auffällt, kann das ein echtes Problem werden.“

Die Arbeit im Sterilgutbereich der Klinik ist außerdem geprägt von klaren hygienischen Abläufen: Es gibt eine „saubere“ und eine „unreine“ Seite; das Handling muss entsprechend konsequent durchgezogen werden. Dazu kommt die technische Kontrolle der Geräte.

Neben Genauigkeit ist auch handwerkliches Geschick gefragt: Viele Instrumente sind filigran, manche müssen auseinandergebaut, gereinigt und anschließend exakt wieder zusammengesetzt werden. „Manche Instrumente sind so empfindlich, dass sie nicht in die Maschine dürfen, sondern nur ins Ultraschallbad oder sogar nur per Hand gereinigt werden“, erzählt eine Sterilgutassistentin.

Perfektionismus ausleben

„Es ist ein bisschen wie Puzzeln. Wer gern sorgfältig und gut konzentriert arbeiten kann und Freude an technischen Details hat, ist hier im Vorteil. Ich mag an der Arbeit, dass ich meinen Perfektionismus dabei richtig ausleben kann.“ Dabei kann man auch eine besondere Form der Eigenständigkeit genießen: „Unser Arbeitsplatz ist eng mit der Chirurgie und Anästhesie verzahnt, aber man arbeitet in einem sehr eigenen Bereich und organisiert vieles selbstständig“, fasst sie zusammen.

Die körperliche und mentale Belastung sollte dabei aber nicht unterschätzt werden, denn die Geräte sind heiß und teils laut. Auch wer empfindlich auf Chemikalien reagiert oder bereits entsprechende Vorerkrankungen mitbringt, stößt hier womöglich an Grenzen.

Der Umgang mit spitzen Instrumenten wie Skalpellen oder Nadeln verlangt zudem besondere Vorsicht. „Man sollte kein Problem mit Blut, Gewebe oder organischem Material haben, das gehört in einer Tierklinik manchmal einfach dazu“, erklärt Maja Schätzler. Weil der Blick für klinische Abläufe bereits vorhanden ist, wäre medizinische Vorerfahrung hilfreich, ist aber kein Muss.

Die Sterilgutassistenz in der Tierklinik ist also ein Beruf für selbstständig arbeitende Menschen mit Sinn für Hygiene, Ordnung und Perfektionismus und für alle, die gern verantwortungsvoll im Hintergrund arbeiten, damit bei lebenswichtigen Operationen alles rund läuft.

Maja Schätzler, Tiermedizinische Fachangestellte und Fachbereichsleiterin für die SterilgutassistentInnen.

Maja Schätzler, Tiermedizinische Fachangestellte und Fachbereichsleiterin für die SterilgutassistentInnen.
Foto: photogenika.de

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