Ein Moment der Unachtsamkeit, quietschende Reifen: Dass der eigene Hund von einem Auto erfasst wird, gehört zu den Horrorvisionen aller Hundehalter.
Wir stellen zwei Fälle vor, in denen genau das passiert ist: Beide Hunde erlitten eine Beckenfraktur, eine Verletzung, die wir (im Gegensatz zu Katzen) bei Hunden im Klinikalltag selten sehen.
Denn das Becken eines Hundes bricht meist nur bei Verkehrsunfällen, während sich Katzen das Becken häufiger bei Unfällen wie Fenster- oder Balkonstürzen brechen.

Eine Beckenfraktur beim Hund ist der Bruch eines oder mehrerer Beckenknochen: Darmbein, Sitzbein, Schambein oder Hüftgelenkpfanne. Am häufigsten wird eine Beckenfraktur durch Verkehrsunfälle oder Stürze aus großer Höhe ausgelöst. Auch Einklemmen oder schwere Tritte können zu Brüchen des Beckenrings führen.
Mops Rufus: Mehrere Frakturen auf beiden Seiten des Beckens
Mops Rufus (1,5 Jahre) lief abends auf ein Auto zu und geriet unter die Stoßstange. Zunächst stand er selbstständig wieder auf und humpelte nach Hause. Aber am nächsten Morgen konnte der knapp acht Kilogramm schwere Rüde nicht mehr aufstehen.
Röntgenaufnahmen und eine Computertomografie zeigten, dass Rufus bei dem Unfall mehrere komplizierte Beckenfrakturen erlitten hatte. Betroffen waren das rechte Darmbein, das linke Sitzbein sowie die Verbindung zwischen Becken und Wirbelsäule (Kreuz-Darmbeingelenk). Die Hüftgelenkpfanne war jedoch intakt geblieben. Das war für Rufus‘ weitere Prognose ein entscheidender Befund: Denn Gelenkbrüche erhöhen das Risiko, dass sich später eine Arthrose entwickelt.
Stabilisierung beider Beckenhälften unter Durchleuchtung
In einer aufwendigen Operation wurden die Beckenfragmente wieder miteinander verschraubt: Klinikleiter Dr. Klaus Zahn stabilisierte die gelockerte Verbindung zwischen Becken und Kreuzbein minimalinvasiv mit einer Schraube. Anschließend richtete er die verschobene Fraktur des rechten Darmbeins und fixierte sie mit einer Titanplatte und mehreren Schrauben.
„Wir operieren solche Frakturen mithilfe der Durchleuchtung, um genau zu sehen, wo die Implantate und Schrauben sitzen müssen, und um sicherzustellen, dass keine Schraube ins Gelenk oder in den Rückenmarkskanal hineinragt“, erklärt der Chefchirurg.






Bereits am Tag nach der Operation läuft Rufus wieder
Bereits am Morgen nach der Operation war Rufus zwar noch etwas wacklig unterwegs, belastete aber beide Hinterbeine gut und setzte die Pfoten korrekt auf. Deshalb durfte der Mops schon einen Tag nach dem Eingriff die Klinik verlassen. Danach waren sechs Wochen lang konsequente Ruhe und Leinenzwang erforderlich. Rennen, Springen, Treppensteigen und unkontrollierte Bewegungen mussten vermieden werden, damit die verschraubten Beckenanteile stabil verheilen konnten.
Vier Monate nach der Operation lief Rufus lahmfrei. Um den Muskelaufbau weiter zu fördern, riet Dr. Zahn seinen Besitzern, die zuvor schon empfohlene Physiotherapie fortzusetzen. Wie glücklich Rufus Familie über diesen Ausgang ist, zeigte sie mit einer handgeschriebenen Dankeskarte an den Operateur.

Leo: Kaninchenjagd endet mit Autounfall und BeckenBruch
Die Jagd nach einem Kaninchen endete für Mischling Leo (4 Jahre, 24 kg) auf dem OP-Tisch: Er hatte sich bei einem Autounfall auf der Bundesstraße multiple Beckenfrakturen auf beiden Seiten zugezogen, zusätzlich verlief eine Fraktur durch die linke Hüftgelenkpfanne.
Komplizierte Beckenbruch-OP: Millimeterarbeit an Leos Hüftgelenk
Auch Leo wurde von Klinikleiter Dr. Klaus Zahn operiert. Die Knochenfragmente wurden schrittweise in ihre ursprüngliche Position zurückgebracht und mit insgesamt drei Platten und mehreren Schrauben stabilisiert.
Um das rechte Darmbein gut zu erreichen, trennte das OP-Team (wie zuvor auch bei Rufus) den großen Rollhöcker des Oberschenkelknochens, an dem kräftige Muskeln ansetzen, vorübergehend ab: eine sogenannte Trochanterosteotomie. Die Muskeln konnten so schadlos zusammen mit dem Trochanter weggeklappt werden, um besser an den Beckenknochen gelangen zu können. Nach der Versorgung mit einer Platte wurde der abgetrennte Knochen mit zwei Nägeln und einer Drahtcerclage wieder befestigt.
Danach folgte die linke Seite: Auch hier wurden die Bruchstücke des Darmbeins in die anatomisch richtige Lage gebracht und mit einer Platte stabilisiert. Weil die Fraktur zusätzlich durch die Hüftgelenkpfanne bis zum Sitzbein verlief, musste der Zugang erweitert werden, erneut über eine Trochanterosteotomie. Die Gelenkpfanne wurde mit einer dritten Platte und mehreren Schrauben fixiert, der Rollhöcker anschließend ebenfalls mit zwei Nägeln und einer Drahtcerclage refixiert.





Nach dem Eingriff: Physiotherapie, Geduld und ein Urlaub in Spanien
Zwei Tage nach der Operation konnte Leo entlassen werden. Für sechs Wochen wurden strenge Ruhe und Leinenzwang empfohlen. Besonders wichtig ist in solchen Fällen zudem eine konsequente Physiotherapie: Nach komplexen Beckenfrakturen trägt sie entscheidend dazu bei, die Muskulatur wieder aufzubauen, die Beweglichkeit zu verbessern und ein möglichst normales Gangbild zurückzugewinnen.
„Weil bei Leo das Hüftgelenk mitbetroffen war, lässt sich eine spätere Arthrose nicht komplett ausschließen. Sollte es dazu kommen, stünde mit einem künstlichen Hüftgelenk eine bewährte Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung“, sagt Dr. Klaus Zahn. Doch im Moment hat Leo die Sache gut überstanden ‒ mittlerweile war er mit seiner Familie sogar schon im Urlaub in Spanien.