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Einer der häufigsten Gründe, warum Hunde in der Kleintierpraxis vorgestellt werden, ist akut auftretender Durchfall (Dauer: weniger als sieben Tage lang). Dieser wird immer noch viel zu oft mit Antibiotika behandelt. Dass das nicht nur unnötig, sondern sogar schädlich sein kann, zeigt die Doktorarbeit unserer Tierärztin Dr. Helene Stübing.

In einer klinischen Studie an 27 Hunden untersuchte sie dabei den Einsatz des häufig verordneten Antibiotikums Metronidazol im Vergleich zu einem Synbiotikum – einer Kombination aus Pro- und Präbiotika. Die Hälfte der Tiere in der Studie erhielt das Antibiotikum Metronidazol. Die andere Hälfte wurde mit einem veterinärmedizinisch zugelassenen Synbiotikum behandelt.

Grafik Durchfall Hund mit Infos

INtestinales Mikrobiom: Die Risiken von Metronidazol

„Ziel der Studie war es zu zeigen, dass der Einsatz des Antibiotikums im Vergleich zum Synbiotikum zu keinem klinisch relevanten Unterschied führt. Hingegen sollte bestätigt werden, dass Metronidazol zu einer schwerwiegenden Verschiebung des intestinalen Mikrobioms führt“, so Dr. Stübing. Denn genau das ist das Problem: „Metronidazol führt zu einer deutlichen Dysbiose. Diese Veränderung ist nicht nur kurzfristig, sondern kann das intestinale Mikrobiom langfristig stören.“

Synbiotika als sanfte Alternative zur Antibiotikatherapie

In der Tierklinik Ismaning wird der Einsatz von Antibiotika daher sehr zurückhaltend und streng indikationsbezogen gehandhabt. Denn wie beim Menschen ist Durchfall bei Hunden häufig ein Symptom mit vielen verschiedenen Ursachen.

Unpassendes Futter, Aufnahme von inadäquaten Substanzen, Stress, Medikamente oder harmlose Infektionen sind typische Auslöser. Häufig kann die Ursache nicht mehr benannt werden. In den meisten Fällen reicht jedoch in der Regel eine gezielte Schonkost aus, ergänzt durch probiotische Medikation.

Wann Durchfall wirklich mit Antibiotika behandelt werden muss

„Bei unkompliziertem Durchfall sehen wir keine Notwendigkeit für Antibiotika“, so Dr. Helene Stübing. Doch woran erkennt man, ob ein Durchfall „unkompliziert“ ist? „Das ist Aufgabe der Tierärztin oder des Tierarztes“, erklärt die Expertin. Entscheidend ist eine ausführliche klinische Untersuchung, gegebenenfalls ergänzt durch Laborparameter. „Denn wenn es sich um einen schwereren Verlauf handelt, etwa bei hämorrhagischem Durchfall, ist eine antibiotische Behandlung in manchen Fällen gerechtfertigt und muss verschrieben werden“, so die Tierärztin.

Fazit von Dr. Helene STübing:

„Bewusster Einsatz von Antibiotika auch in der Tiermedizin. Wir sollten sorgsam mit Antibiotika umgehen, um Resistenzen zu vermeiden und das intestinale Mikrobiom unserer Patienten zu schützen.“

Foto: Photogenika, photogenika.de
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