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Urplötzlich bricht Mischling Jonny (10) zusammen. Seine Schleimhäute sind blass, er kann nicht mehr aufstehen. Im Notdienst der Tierklinik um drei Uhr früh dann die erschütternde Diagnose: Jonny hat einen Milztumor, der gerissen ist, sein Bauchraum ist voller Blut. Die Besitzer entschließen sich zu einer Not-OP, die Jonny auch dank einer Bluttransfusion gut übersteht. Doch die entscheidende Frage bleibt noch offen: War der Tumor gut- oder bösartig?

In der Notaufnahme unserer Tierklinik gehören solche Fälle mit rupturierten – also gerissenen oder geplatzten – Milztumoren leider zum Alltag. Sie gehören zu den häufigsten Tumorerkrankungen beim Hund. Milztumoren wachsen still, verursachen zunächst keine Symptome und enden oft als lebensbedrohlicher Notfall.

Ein Vorsorge-Ultraschall zur richtigen Zeit kann ein nächtliches Drama wie das von Jonny verhindern. Tierärztin Dr. Bettina Holzmann erklärt in unserem Ratgeber, ab wann eine regelmäßige Tumorvorsorge sinnvoll ist und was Hundebesitzer über das bösartige Hämangiosarkom wissen sollten.

Tierärztin der Tierklinik Ismaning führt bei einem Hund eine Ultraschalluntersuchung zur Vorsorge Milztumor durch.
Vorsorgeuntersuchung in der Tierklinik Ismaning: Eine Tierärztin untersucht den Bauchraum und die Milz eines Hund mittels Ultraschall. Foto: Tierklinik Ismaning/Aleana Kratzer

Wie gefährlich ist ein Milztumor?

Die Milz ist eines der am stärksten durchbluteten Organe im Körper des Hundes. Und Milztumore, egal ob gut- oder bösartig, sind es ebenfalls. Wenn so ein blutgefüllter Tumor reißt, kann das innerhalb kürzester Zeit zum Tod führen. „Der Hund lebt mit einer tickenden Zeitbombe,“ verdeutlicht Dr. Bettina Holzmann, „und der Besitzer weiß es meistens nicht.“

Milztumor geplatzt: Hund hat sehr blasse Schleimhäute, plötzliche Schwäche

Wenn ein Milztumor reißt, sind die Anzeichen/Symptome oft unspezifisch. Der Hund wirkt plötzlich schwach, schmerzhaft oder unsicher auf den Beinen, in schweren Fällen kollabiert er.

Ein wichtiges Merkmal ist die Schleimhautfarbe, die sich durch Anheben der Lefze beurteilen lässt. Wirkt das Zahnfleisch blass oder weiß statt rosa und färbt sich nach Druck nicht rasch zurück, ist das ein akutes Warnsignal. In diesem Fall sollte der Hund sofort in eine Tierklinik gebracht werden.

Behandlung: Leben ohne Milz ‒ kein Problem für den Hund

Die Entfernung der Milz (Splenektomie) klingt für viele Besitzer zunächst drastisch. Hunde kommen aber in der Regel gut ohne Milz zurecht. Entscheidend für die Erfolgschancen ist allerdings, unter welchen Umständen operiert wird: Ein geplanter Eingriff an einem stabilen Patienten ist eine viel bessere Ausgangslage als eine Notoperation an einem Hund, der bereits in den Bauchraum blutet und nicht mehr stabil ist, evtl. sogar eine Blutspende braucht.

Dazu kommt der Kostenfaktor: Ein geplanter Eingriff während der regulären Sprechstunde ist deutlich günstiger als eine Notoperation mitten in der Nacht.

Bei großen, tiefbrüstigen Hunderassen kann im Zuge der Operation zusätzlich eine sogenannte Gastropexie durchgeführt werden. Dabei wird der Magen an der Bauchwand fixiert, um das Risiko einer Magendrehung zu reduzieren. Denn nach der Entfernung der Milz entsteht mehr Bewegungsfreiheit für den Magen und damit ein erhöhtes Risiko für diese lebensbedrohliche Komplikation.

Überlebenschancen nach Milztumor

Zwei Drittel aller Milztumore sind bösartig. Und zwei Drittel dieser bösartigen Tumore sind Hämangiosarkome, eine besonders aggressive Tumorart, die schnell streut und vor allem in Leber, Lunge und Herz Metastasen bildet. Reißt der Tumor auf, verteilen sich diese Tumorzellen im gesamten Bauchraum und verkürzen die Überlebenszeit erheblich.

Ein Drittel der Milztumore erweist sich hingegen als gutartig. Trotzdem können sie sehr groß werden und akut reißen. Häufig handelt es sich dabei um Sinuserweiterungen (erweiterte Blutgefäße), um Hämatome als Folge älterer Verletzungen oder um hyperplastische Knoten.

Ob ein Milztumor gut- oder bösartig ist, lässt sich leider vor einer Operation nicht feststellen. Auch Größe und Struktur sagen nichts darüber aus, ob der Tumor bösartig oder gutartig ist. Dr. Holzmann verdeutlicht: „Auch ein gutartiger Tumor kann riesig werden. Im Ultraschall kann dadurch die gesamte Milz verändert aussehen. Studien zeigen sogar: Je größer der Milztumor, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er gutartig ist.“

Es bleibt deshalb nur die Entfernung der Milz und die anschließende pathologische Untersuchung des Gewebes. Auch bei Jonny brachte erst die pathologische Untersuchung Klarheit: Der entfernte Milztumor war zur Freude seiner Familie gutartig. Jonny hat also eine ganz normale Lebenserwartung. Regelmäßige Ultraschallkontrollen sichern den weiteren Verlauf ab.

Wird ein Hämangiosarkom diagnostiziert, ist die Prognose deutlich schlechter. Ohne Chemotherapie liegt die mittlere Überlebenszeit bei ein bis drei Monaten, mit Chemotherapie bei vier bis sieben Monaten. Wurde der Tumor vor einer Ruptur entfernt, ist die Ausgangslage besser, weil die Wahrscheinlichkeit einer Streuung deutlich geringer ist.

Vorsorge Milztumor beim Hund ‒ ab wann und wie oft?

Feste Leitlinien für die Tumorvorsorge der Milz gibt es bislang nicht. Aus der klinischen Erfahrung lässt sich aber eine klare Orientierung ab einem gewissen Alter ableiten.

  • Der Ultraschall ist dabei das Mittel der Wahl, weil er Veränderungen an der Milz frühzeitig sichtbar macht. Denn auch die Computertomografie (CT) liefert keine Antwort auf die entscheidende Frage, ob ein Milztumor gut- oder bösartig ist. Der regelmäßige Ultraschall ermöglicht es, Veränderungen zu beobachten und rechtzeitig zu handeln, bevor es zum Notfall kommt.
  • Größere Hunde ab etwa 30 Kilogramm Körpergewicht sollten bereits ab einem Alter von sechs bis sieben Jahren regelmäßig mit einem Bauchultraschall untersucht werden. Hämangiosarkome treten bei größeren und älteren Hunden häufiger auf. Dennoch können auch kleinere Hunde betroffen sein. Für sie empfiehlt sich die Vorsorge ab etwa neun Jahren.
  • Die Tumorvorsorge schützt nicht nur den Hund, sondern bietet auch den Menschen Vorteile, so Holzmann: „Im Notdienst erleben wir regelmäßig Besitzer, die verständlicherweise völlig überfordert sind, weil es dem Hund bis vor wenigen Stunden noch bestens ging und sie plötzlich vor der Entscheidung stehen: Notoperation oder Einschläfern. Einen Mittelweg gibt es in diesem Moment leider nicht.“Wer allerdings regelmäßig untersuchen lässt, hat im schlechteren Fall Zeit, sich mit der Diagnose auseinanderzusetzen und für einen geplanten Eingriff unter stabilen Bedingungen. Und die Chance, dass es am Ende einen gutartigen Befund gibt und der Hund danach ganz normal weiterlebt.
  • Die Untersuchung lässt sich gut in den ohnehin empfohlenen jährlichen Gesundheitscheck integrieren. Dabei wird nicht nur die Milz beurteilt: Beim Bauchultraschall können auch andere Veränderungen oder Tumoren an Organen wie Leber, Nieren, Nebennieren, Harnblase oder Darm entdeckt werden. Ist alles unauffällig, folgt die nächste Kontrolle ein Jahr später. Fällt eine Veränderung auf, wird das Kontrollintervall auf sechs Monate verkürzt und bei weiterem Wachstum die operative Entfernung besprochen.
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